Aufarbeitung

Ein offener Umgang mit der eigenen Historie ist unverzichtbar

Ein offener Umgang mit der eigenen Historie ist unverzichtbar, um das eigene Handeln stets zu reflektieren, es Tätern und Täterinnen so schwer wie möglich zu machen und andere Institutionen, die mir Kindern und Jugendlichen arbeiten, zu sensibilisieren.

Zur Aufarbeitung der Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch in Orts- und Kreisverbänden des Kinderschutzbundes, insbesondere in Münster, in den 1980er Jahren:

„Pädosexualität ist sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Immer und überall.“ Der Deutsche Kinderschutzbund vertritt diese Haltung zum Thema „Pädosexualität“ bundesweit.

Die Verbrechen eines ehemaligen ehrenamtlichen Mitarbeiters des DKSB OV Münster aus den 1980er Jahren, der von ihm betreute Jugendliche sexuell missbraucht hat, weitere Verbrechen in dieser Zeit in anderen Orts- und Kreisverbänden des DKSB und die Versuche pädophiler Netzwerke – ebenfalls in den 1980er Jahren -, unseren Bundesverband zu unterwandern, verurteilen wir aufs Schärfste.

Keine Institution und kein Verein können einen sexuellen Übergriff durch die eigenen Mitarbeiter*innen gegenüber den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen zu 100% verhindern. Alle Einrichtungen müssen sich aber daran messen lassen, was sie getan haben, derzeit tun und künftig tun werden, um solche Verbrechen zumindest zu erschweren. Der DKSB OV Münster hat diesbezüglich in den letzten mehr als 25 Jahren Vieles unternommen. Unser Verein überprüft regelmäßig seine Strukturen, um ggfs. den Schutz der von ihm betreuten Kinder und Jugendlichen (nicht nur) vor Machtmissbrauch und/oder sexualisierter Gewalt noch weiter zu verbessern.

Die Mitwirkung bei der transparenten und objektiven Aufklärung und Aufarbeitung der Geschehnisse in den 1980er Jahren im DKSB-Bundesverband und in unserem Ortsverband hatte für uns höchste Priorität.

Auf Bundesebene hat der Bundesvorstand des DKSB Ende 2013 die Untersuchung dem Göttinger Institut für Demokratieforschung unter der Leitung von Prof. Dr. Franz Walter übertragen. Deren Ergebnisse sind im Frühjahr 2015 vom Institut vorgestellt worden. Unser damaliger Geschäftsführer Dieter Kaiser hat parallel dazu zwei Jahre lang in der AG Aufarbeitung unseres Bundesverbandes mitgearbeitet.

Auf der Basis des o.g. Berichts haben wir uns in unserem Ortsverband noch einmal damit auseinandergesetzt, was unseren Verein in den 1980er Jahren aus Sicht des Täters zu einem geeigneten Ort machte, seine Verbrechen zu begehen, welche Strukturen und Werte dies begünstigt haben und was den Schutz der Betroffenen verhindert hat.

Der Bericht lieferte uns wertvolle Hinweise, um im DKSB Münster gegenwärtig und zukünftig Risiken für Kinder und Jugendliche noch mehr zu reduzieren; sowohl bei bestehenden Angeboten als natürlich auch bei der Installation neuer Angebote.
Zu den gewonnenen Erkenntnissen siehe unsere Stellungnahme zum Bericht, die weiter unten zur Verfügung steht.

Die kritische Hinterfragung unserer Strukturen und Werte wird dabei nie abgeschlossen sein. Wir werden sie fortlaufend und in regelmäßigen Abständen institutionalisiert leisten.

Bei unseren bisherigen Auseinandersetzungen mit den damaligen Geschehnissen haben wir es bis Anfang 2014 versäumt, aktiv auf die Leidtragenden der Verbrechen zuzugehen und mit ihnen ein Gespräch zu suchen. Dafür hat sich unser Vorstand am 10.1.2014 in seiner Stellungnahme zum SPIEGEL-Artikel (s.u.) entschuldigt und dieses Angebot nachgeholt. Wir bedauern sehr, dass die Betroffenen in ihrer Würde verletzt wurden und Leid erfahren haben.

Es ist uns ein großes Anliegen, dass die Betroffenen, die in den 1980er Jahren Opfer unseres damaligen ehrenamtlichen Mitarbeiters geworden sind, Gehör finden, sie über das ihnen angetane Leid sprechen können und sie Hilfe und Unterstützung erhalten. Wir begrüßen ausdrücklich, dass unser Bundesverband auf seiner Website ein entsprechendes Gesprächs- und Hilfsangebot macht. Wir bitten die in Münster Betroffenen, sich vertrauensvoll an die stellvertretende Bundesgeschäftsführerin des DKSB, Martina Huxoll-von Ahn, zu wenden (Kontakt und Info: www.dksb.de).

Kurzfassung

Nach der Gründung des DKSB Ortsverband Münster 1977 gab es neben vielen Arbeitsgemeinschaften zu unterschiedlichen Themen auch die AG „Ausreißerhilfe“, die sich um Kinder und Jugendliche kümmerte, die aus verschiedenen Gründen ihre Familien verlassen hatten. Gegründet im Jahr 1981, bestand die genannte AG als Arbeitsgruppe des DKSB Münster bis April 1990. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen unserer AG kümmerten sich um Ausreißer*innen. Parallel dazu gab es von 1982 bis 1992 außerhalb des DKSB Münster einen eigenständigen Verein „Ausreißerhilfegruppe e.V.“. Dieser hatte (vermutlich ab Ende 1986) eine Geschäftsstelle in der Münsteraner Friedensstraße mit Büro, zwei Zimmern zur Aufnahme von Jugendlichen und einem privaten Wohnraum des ehrenamtlichen Mitarbeiters Christoph K.

Auf der Vorstandssitzung des DKSB Münster am 12.12.1989 eröffnete Christoph K., damals auch Mitglied im Vorstand unseres Ortsverbands, den übrigen Vorstandsmitgliedern, dass ein Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen sexuellen Missbrauchs im Rahmen seiner Ausreißerhilfearbeit eingeleitet worden sei. Daraufhin veranlasste der damalige Vorstand des DKSB OV Münster, dass Christoph K. seine Ämter für die Dauer des Verfahrens – und damit bis zu einer endgültigen Klärung der Vorwürfe – niederlegte. Auch durfte er keine Kinder und Jugendlichen mehr betreuen.

Dem Vorstand des Vereins „Ausreißerhilfegruppe e.V.“ war das Ermittlungsverfahren gegen Christoph K. spätestens am 08.12.1989 ebenfalls bekannt. Im Jahr 1994 und dann auch 1997 wurde Christoph K. zu insgesamt 7,5 Jahren Haft verurteilt. Ein Artikel  im Magazin „Der Spiegel“ vom 06.01.2014 nimmt auf die Verbrechen von Christoph K., insbesondere im Jahr 1991 an der Betroffenen Nora K.,  Bezug. Lesen Sie hier unsere Stellungnahme  vom 10.1.2014 zum genannten Artikel.

Nach der Verurteilung von Christoph K. wegen seiner Verbrechen hat der DKSB OV Münster in mehreren Publikationen und Veranstaltungen immer wieder über dessen Taten informiert und sich deutlich von diesen distanziert. Das unverzeihliche Fehlverhalten unseres in den achtziger Jahren aktiven ehrenamtlichen Mitarbeiters hat unseren Verein für das Problem des Machtmissbrauchs und/oder sexualisierte Gewalt durch Mitarbeiter*innen in Institutionen nachhaltig sensibilisiert. Seitdem kommt diesem Thema eine herausragende Bedeutung in unserer Arbeit zu.

Bei unseren bisherigen Auseinandersetzungen mit den damaligen Geschehnissen haben wir es allerdings bis Anfang 2014 versäumt, aktiv auf die Leidtragenden der Verbrechen zuzugehen und mit ihnen ein Gespräch zu suchen. Dafür hat sich unser Vorstand am 10.1.2014 in der genannten Stellungnahme zum SPIEGEL-Artikel entschuldigt und dieses Angebot nachgeholt.

Im September 2013 berichtete -für unseren Verband völlig überraschend- ein Artikel in der „Welt am Sonntag“ über Einflüsse pädophiler Netzwerke und Akteure in den 1980er Jahren auf den Deutschen Kinderschutzbund. Im Artikel wurden auch Vorwürfe gegen den damaligen Präsidenten des DKSB, Prof. Walter Bärsch, erhoben. Das Göttinger Institut für Demokratieforschung war im Zuge einer Forschungsarbeit zum Thema „Pädosexualität im frühen Parteienprogramm der Grünen“ hierauf gestoßen.

Dieses Institut ist vom DKSB Bundesverband Ende 2013 beauftragt worden, die genannten Einflussnahme-Versuche und eventuelle Verstrickungen von Prof. Walter Bärsch ebenso wie konkrete Verbrechen in DKSB-Ortsverbänden wie die von Christoph K. begangenen als unabhängige Institution zu untersuchen. Unser Ortsverband hat diese Untersuchung von Beginn an unterstützt.

Am 14.5.2015 hat das Göttinger Institut für Demokratieforschung in Berlin seinen Abschlussbericht zum Forschungsprojekt „Umfang, Kontext und Auswirkungen pädophiler Forderungen innerhalb des Deutschen Kinderschutzbundes“ vorgelegt. Zu diesem Bericht haben wir am 17.5.2015 ein erstes Statement abgegeben. Anschließend haben wir uns mit dem Bericht insbesondere mit dem Blickpunkt auf unseren Ortsverband und unter den Fragestellungen auseinandergesetzt, ob er Informationen enthält, die uns nicht bekannt waren und ob er Hinweise darauf gibt, welche in den 80er Jahren im DKSB vorhandenen Strukturen, Konzepte und Rahmenbedingungen die die damals von DKSB-Mitarbeiter*innen in Münster und in acht anderen DKSB-Orts- und Kreisverbänden gegen Kinder und Jugendliche verübten Verbrechen begünstigt bzw. ermöglicht haben. Anschließend haben wir eine ausführliche Stellungnahme zum genannten Bericht abgegeben.

Darin informieren wir auch über ein Gesprächs- und Hilfsangebot unseres Bundesverbandes an die Betroffenen.

Wir kämpfen seit vielen Jahren auf zahlreichen Fronten gegen Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Auch überdenken wir die Strukturen innerhalb unseres Ortsverbandes regelmäßig. Weiterhin ist unsere Fachberatungsstelle zum Thema „ Machtmissbrauch und/oder sexualisierte Gewalt“ und zu jeder anderen Form von Gewalt gegen Kinder und Jugendliche seit Anfang der neunziger Jahre eine Anlaufstelle für Kinder, Jugendliche, Eltern und pädagogische Fachkräfte.

Selbstverständlich ist uns eine genaue Prüfung der an einer Mitarbeit in unserem Ortsverband interessierten haupt – und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen besonders wichtig. So muss jede*r Mitarbeiter*in ein Erweitertes Führungszeugnis vorlegen sowie eine Erklärung zur „Verhaltensanweisung zur Prävention von Beziehungsmissbrauch und sexueller Gewalt im Umgang mit Personen, insbesondere Kindern und Jugendlichen, die vom DKSB OV Münster betreut und beraten werden“ unterschreiben. Wir sensibilisieren potentielle Mitarbeiter*innen in jedem Erstgespräch für die Problematik „Machtmissbrauch und/oder sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen, insbesondere durch Mitarbeiter*innen in Institutionen“ und sprechen die Vorfälle aus den 1980er Jahren und unsere heutige Haltung aktiv an.

Unser großes Anliegen ist es, alles uns Mögliche dafür zu tun, um im DKSB Münster in der Gegenwart und in der Zukunft Risiken für Kinder und Jugendliche noch mehr zu reduzieren; sowohl bei bestehenden Angeboten als natürlich auch bei der Installation neuer Angebote. Die kritische Hinterfragung unserer Strukturen und Werte wird dabei nie abgeschlossen sein. Wir werden sie fortlaufend und in regelmäßigen Abständen institutionalisiert leisten. Dabei ist unser Kinder- und Jugendschutzkonzept des DKSB OV Münster die Grundlage.

Bisherige Aktivitäten und Prävention

Aktivitäten des DKSB Münster gegen Machtmissbrauch und/oder sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen durch Mitarbeiter*innen seit Beginn der 90er Jahre

Nach der Verurteilung von Christoph K. zu einer langen Haftstrafe im Jahr 1994 (bis dahin handelte es sich um ein schwebendes Verfahren) hat unser Verein immer wieder über die Verbrechen, die dieser ehemalige ehrenamtliche Mitarbeiter im Rahmen seiner Tätigkeit bei uns begangen hat, informiert. So beispielsweise in dem im April 1997 erschienenen Jahresbericht 1996 anlässlich unseres zwanzigjährigen Bestehens, im Rahmen einer Ausstellung über unsere Vereinsgeschichte im Jahr 2002 zum 25-jährigen Bestehen sowie im Einblick_Jubiläum 2007 , der seit seinem Erscheinen dauerhaft auf unserer Website als „Download“ zur Verfügung steht.

Darüber hinaus hat sich der DKSB OV Münster seit den 1990er Jahren auf verschiedenen Ebenen aktiv für den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Machtmissbrauch und/oder sexualisierter Gewalt durch Mitarbeiter*innen des DKSB und anderer Einrichtungen eingesetzt. Wir dokumentieren im Folgenden wesentliche Aktivitäten.

Verbandsintern: Als Mitgliedsorganisation des bundesweiten DKSB ist es uns seit 25 Jahren ein Anliegen, innerhalb unseres Verbandes die Aufmerksamkeit auf das genannte Thema zu lenken.

  • Auf den Kinderschutztagen 1997, der bundesweiten Mitgliederversammlung des DKSB, wurden für alle Gliederungen des Verbandes verbindliche Regelungen für das „Verfahren für den Umgang mit dem Vorwurf sexueller Übergriffe auf Kinder durch haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter*innen des DKSB“ verabschiedet. 1998 wurden diese Verfahrensregelungen aufgrund eines Antrages des DKSB Münster inhaltlich ergänzt.
  • Aufgrund eines Antrages unseres Vereins auf den Kinderschutztagen 2005 wurde der Bundesvorstand aufgefordert, auch entsprechende Regelungen für die Verhinderung von sexuellen Übergriffen durch Mitarbeiter*innen zu erarbeiten. Diese wurden auf den Kinderschutztagen 2006 beschlossen und galten bis zu deren Neufassung im Jahr 2015 für alle DKSB Orts- und Kreisverbände.
  • Neue gesetzliche Grundlagen, weiter entwickelte fachliche Standards und veränderte „Prinzipen Helfenden Handelns“ unseres Verbandes machten es notwendig, die in den beiden oben aufgeführten Spiegelstrichen erwähnten Beschlüsse zu aktualisieren und fortzuschreiben. Der Geschäftsführer des DKSB Münster, Dieter Kaiser, hat zusammen mit dem damaligen Geschäftsführer und der damaligen stellvertretenden Geschäftsführerin des DKSB LV NRW Friedhelm Güthoff und Martina Huxoll der verantwortlichen Mitarbeiterin der DKSB-Bundesgeschäftsstelle Cordula Lasner-Tietze, zugearbeitet, so dass auf den Kinderschutztagen 2015 ein entsprechendes Papier zur Abstimmung vorgelegt werden konnte und auch beschlossen worden ist.
  • Unser Geschäftsführer war ebenfalls Mitglied der bundesweiten AG Aufarbeitung, die parallel zur Untersuchung durch das Göttinger Institut für Demokratieforschung seit 2014 u.a. eine Fachtagung mit dem Titel „Kinderschutz vor neuen Herausforderungen“ (Flyer Fachtag) organisiert hat. Diese hat im Mai 2015 stattgefunden. Auf den bundesweiten Kinderschutztagen im Mai 2016 hat die AG Aufarbeitung ein Fachforum angeboten. Die Arbeit dieser AG war damit beendet. Sie hat aber mit Erfolg empfohlen, eine Strukturkommission im DKSB einzusetzen, die sich bis Mai 2018 mit den von der AG Aufarbeitung erkannten strukturellen Schwächen im Verband auseinandergesetzt hat. Derzeit werden im Verband die Empfehlungen der Kommission umgesetzt.

In unserem Ortsverband: Einen sehr hohen Stellenwert in unserem Ortsverband hat die Aufgabe, alles dafür zu tun, um Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche durch unsere eigenen Mitarbeiter*innen zu erschweren und damit möglichst zu verhindern:

  • Bereits seit 2001 lassen wir uns nicht nur von unseren hauptamtlichen, sondern auch von unseren ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen vor Beginn ihrer Mitarbeit und in regelmäßigen Abständen in unserem Verein ein Führungszeugnis (seit einigen Jahren: Erweitertes Führungszeugnis) vorlegen, um zu verhindern, dass sich einschlägig verurteilte Personen bei uns engagieren.
  • Im Jahr 2004 hat unser Verein für alle seine haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen eine „Verhaltensanweisung zur Prävention von Beziehungsmissbrauch und sexueller Gewalt im Umgang mit Personen, insbesondere Kindern und Jugendlichen, die vom DKSB OV Münster betreut und beraten werden“ (Verhaltenskodex 2016) erarbeitet. Zu Beginn einer Mitarbeit muss seit dieser Zeit jede/r Aktive eine Erklärung zu dieser Verhaltensanweisung unterschreiben (Variante Hauptamtliche bzw. Variante Ehrenamtliche)
  • Auf Initiative unseres Ortsverbandes ist seit 2006 für alle DKSB Orts- und Kreisverbände bundesweit die Entwicklung eines Verhaltenskodexes zum Schutz insbesondere der im DKSB betreuten Kinder und Jugendlichen verbindlich vorgeschrieben.
  • Seit Langem sprechen wir in jedem Erstgespräch mit Menschen, die sich in unserem Verein haupt- oder ehrenamtlich engagieren wollen, das Thema „Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche durch eigene Mitarbeiter*innen“ an und machen so deutlich, dass wir dieses im Blick haben.
  • Auch halten wir in unserem Ortsverband ein Beschwerdeverfahren für Kinder, Jugendliche und Eltern vor. Wir verstehen ein gutes „Beschwerdemanagement“ auch als einen Präventionsbaustein gegen Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche durch eigene Mitarbeiter*innen.
  • Selbstverständlich verfügen wir auch über ein Kriseninterventionskonzept. Sollten wir nämlich trotz aller unserer Präventionsmaßnahmen Hinweise erhalten, dass es zu einem Machtmissbrauch und/oder sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche durch eigene Mitarbeiter*innen gekommen sein könnte bzw. tatsächlich ist, ist sofortiges Handeln erforderlich. Unser „präventiv erarbeitetes“ Interventionskonzept gibt allen Mitarbeiter*innen unseres Vereins Auskunft über die notwendigen Vorgehensweisen und Verfahrensabläufe in einem Augenblick großer Emotionalität und Betroffenheit. Im Fokus unseres Interventionskonzepts stehen der Schutz aller Beteiligten, aber insbesondere der betroffenen Kinder und Jugendlichen sowie die Übernahme der Verantwortung zur Aufklärung und Aufarbeitung.
  • Alle fünf Jahre (zuletzt im Herbst 2019) führen wir eine Risikoanalyse durch. In enger Zusammenarbeit mit unseren Mitarbeiter*innen überprüfen wir, in welchen Bereichen und Situationen  Machtmissbrauch und/oder sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche durch eigene Mitarbeiter*innen möglich sind und wo Risiken und Gefährdungen für Mädchen und Jungen aufgrund struktureller Gegebenheiten bestehen. Selbstverständlich führen wir eine solche Risikoanalyse auch durch, wenn erwogen wird, ein neues Angebot in unserem Verein zu entwickeln.

Über den DKSB hinaus: Weiterhin ist es uns ein großes Anliegen, auch außerhalb des DKSB auf die Notwendigkeit des Schutzes von Kinder und Jugendlichen vor  Machtmissbrauch und/oder sexualisierter Gewalt in Institutionen und Vereinen hinzuweisen.

  • Im Schwerpunktthema unseres Jahresberichts 2003 (erschienen im April 2004), den wir u.a. der Fachöffentlichkeit zugänglich gemacht haben, haben wir über „Sexuelle Übergriffe durch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Institutionen“ informiert. (Schwerpunkt-Jahresbericht-2003)
  • Ende 2004 haben wir den Fachvortrag von (heute: Prof.) Claudia Bundschuh mit dem Thema „Das gibt es doch nicht! Sexueller Missbrauch durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Institutionen“ in Münster organisiert und so andere Einrichtungen für das Thema sensibilisiert.
  • Das Team unserer Fachberatungsstelle führt seit Jahren in Vereinen und Einrichtungen (z. B. in Schulen, Kindertagesstätten, Sport und Kirche) entsprechende Schulungen für deren Aktive durch und trägt zum Schutz der dort betreuten Kinder und Jugendlichen vor Machtmissbrauch und/oder sexualisierter Gewalt durch Mitarbeiter*innen bei. Konkret kooperieren wir ab September 2016 diesbezüglich mit dem TuS Hiltrup und seit Mitte 2020 mit der TG Münster.
  • Am 22.03.17 fand unsere mittlerweile 11. „Kinderkram(?!)“-Veranstaltung statt. Frau Dr. Margareta Müller vom Kompetenzzentrum Kinderschutz des Kinderschutzbundes NRW referierte vor knapp 50 Teilnehmer*innen insbesondere aus Kitas, Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen zum Thema „Schutzkonzepte in Institutionen“. Im Kontext der aufgedeckten Missbrauchsfälle in Schulen, Internaten und anderen Einrichtungen durch eigene Mitarbeiter*innen steht in der fachlichen Diskussion der letzten Jahre das Thema „Schutzkonzepte“ sehr im Fokus. Aus der Kampagne „Kein Raum für Missbrauch“ des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs sind dazu viele Empfehlungen und Materialien hervorgegangen. Die Referentin Dr. Müller zeigte in ihrem Vortrag rechtliche Grundlagen auf und erläuterte die einzelnen Bausteine, aus denen ein Schutzkonzept besteht. Den ersten Schritt stellt demnach stets eine Risikoanalyse dar, die Gefahrenpotentiale und Gelegenheitsstrukturen für Machtmissbrauch und/oder sexualisierter Gewalt innerhalb des pädagogischen Alltags sichtbar macht. Darauf bauen dann Maßnahmen der Prävention und Intervention auf, wie z.B. Leitbild und Verhaltenskodex, Personalauswahl, Fortbildungs- und Präventionsangebote, Beteiligungs- und Beschwerdeverfahren sowie ein Krisenplan für „den Fall der Fälle“.
  • Für Schutzkonzepte an Grundschule: Gemeinsam mit Zartbitter, der Ärztlichen Kinderschutzambulanz, der Schulpsychologie und der Schulrätin für Förderschulen haben wir im Jahr 2019 in unserer Stadt an einem Fortbildungskonzept für Lehrkräfte an Grundschulen gearbeitet. Im Frühjahr 2020 startete der erste Durchgang. Ziel ist es, die Lehrkräfte für das Thema „Sexualisierte Gewalt“ zu sensibilisieren und ihnen Unterstützung bei der Schutzkonzept-Entwicklung anzubieten.

Im Juni 2020 sind in Münster furchtbare Verbrechen sexualisierter Gewalt an Kindern aufgedeckt worden. Hierzu haben wir eine Stellungnahme veröffentlicht, in der wir eine Reihe von Maßnahmen fordern, um künftig Kinder besser als bisher vor sexualisierter Gewalt zu schützen. Die Botschaft unsere Stellungnahme lautete: wir alle haben die Verantwortung, hinzusehen, hinzuhören und darüber zu sprechen. Diese Botschaft haben wir auch anlässlich einer von uns veranstalteten Mahnwache auf dem Münsteraner Domplatz am 19. Juni nach außen getragen. Selbstverständlich haben die Mitarbeiter*innen unserer Fachberatungsstelle im Anschluss an die Aufdeckung dieser Verbrechen Kindern, Jugendlichen, Eltern, Fachkräften und Einrichtungen in einer Vielzahl von Beratungsgesprächen Unterstützung gegeben.

  • Zu der Urteilsverkündung von den vier beschuldigten Männern am 6. Juli 2021 haben wir eine weitere Mahnwache vor dem Landgericht in Münster gehalten.

Hier finden Sie Downloads zu der Aufarbeitung: